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Zum Start der Fischereisaison durfte ich mit dem Präsidenten des kantonalen Fischereiverbandes, Radi Hofstetter für die EP/PL ein Interview führen. 

 

«Das Verständnis der Fischer wird sich verändern»

 

Wer mit Radi Hofstetter, Präsident des kantonalen Fischereiverbandes diskutiert, spricht längst nicht nur übers Fischen. Hofstetter treiben viele Fragen um. Vor allem auch in Bezug auf die Gewässerökologie. Noch gibt es im Kanton diesbezüglich einige Probleme zu lösen.

 

 

Engadiner Post: Herr Hofstetter, auf einer Skala von eins bis zehn, in welchem Zustand befinden sich die Bündner Gewässer?

Radi Hofstetter: Eher am unteren Ende, eine Drei oder eine Vier, muss ich sagen.

 

Warum?

Wir haben recht viel gemacht bezüglich Renaturierungen, und auch in der Frage der Restwassermenge konnten wir uns mit verschiedenen Kraftwerken einigen. Teil 1 des Gewässerschutzgesetzes wird bis in rund zwei Jahren im ganzen Kanton umgesetzt sein. Also könnten wir uns eigentlich auf die Schultern klopfen ...

 

... und warum machen Sie es nicht?

Mit dem Klimawandel haben wir immer extremere Unwetter mit Hochwassern und Murgängen, die unsere Fischbestände dramatisch reduziert haben. Im Vergleich zu vor einem Jahrzehnt wird nicht einmal mehr die Hälfte der Fische gefangen.

 

Trotz Verhandlungen und Einigungen mit verschiedenen Kraftwerken: Die Sunk-/Schwall-Problematik beschäftigt die Fischer immer noch stark.

In dieser Frage geht es für die Kraftwerke wirklich ums Geld. Die Unternehmen verdienen am Markt nur noch in den Stromlücken Geld. Dann, wenn zum Beispiel in Deutschland die Sonne nicht scheint und kein Wind weht. In diesen Momenten geht es darum, möglichst rasch volle Leistung zu fahren und gleich wieder abzustellen, wenn es sich nicht mehr rentiert. Das kann im Minutentakt sein, was aufgrund der stark schwankenden Wasserstände für die Fische und die Kleinlebewesen in unseren Gewässern tödlich ist.

 

Wie stark ist da die Position eines kantonalen Fischereiverbandes gegenüber den grossen Kraftwerkskonzernen?

Wir kämpfen ja nicht alleine. Zusammen mit Pro Natura und WWF Graubünden verfügen wir über eine recht starke Stimme. Zudem hat sich während der letzten acht Jahre anlässlich von Gesprächen am runden Tisch mit den Kraftwerken gezeigt, dass wir zusammen einen vernünftigen Umgangston gefunden haben und dass es auch vonseiten der Kraftwerksbetreiber Kompromisse benötigt. Allerdings werden die Diskussionen in den nächsten acht Jahren weitergeführt werden müssen, und ich bin nicht davon überzeugt, dass bis 2030, wie vom Gesetz vorgeschrieben, eine Lösung gefunden ist. Das sehen wir auch in der Frage des Restwassers. Das hätte gemäss Gesetz im Jahr 2012 schweizweit umgesetzt werden sollen. Jetzt, zehn Jahre später, befinden wir uns immerhin auf der Zielgeraden.

 

Ein weiteres Thema ist die Verunreinigung durch Mikroplastik in den Gewässern. Wie stark trifft das den Kanton Graubünden?

Mikroplastik ist im Moment nicht das drängendste Problem für uns, könnte aber in Zukunft zum Thema werden. Grössere Sorgen bereiten die Verschmutzungen mit Pestiziden oder speziell im Engadin die Fluorrückstände von den Skiwachsen.

 

Das haben Sie bereits vor einem Jahr kritisiert. Nun lanciert der Kanton eine Untersuchung. Was erwarten Sie?

Die Regierung wurde aufgeschreckt durch unsere Untersuchungen, welche wir zusammen mit dem «K-Tipp» durchgeführt haben. Darum hat sie drei kantonale Ämter beauftragt, in diesem Jahr eine Studie zu erstellen, um unsere Ergebnisse zu verifizieren oder zu falsifizieren.

 

War die Untersuchung repräsentativ?

Fischerinnen und Fischer haben rein zufällig rund 80 Proben eingesammelt, die Untersuchung ist also nicht wissenschaftlich abgestützt. Meine These ist die, dass der massive Rückgang an Seesaiblingen, vor allem im Silsersee, mit dem giftigen Abrieb der Fluorwachse der Langläufer in einem Zusammenhang stehen könnte. In unseren Untersuchungen ist lediglich geprüft worden, ob die These Hand und Fuss hat oder ob meine Überlegungen aus der Luft gegriffen sind. Leider waren die Werte alarmierend hoch. Wir konnten nachweisen, dass bis zu zwei Mikrogramm der giftigen Fluorverbindungen pro Kilogramm in den Eingeweiden enthalten waren. Stoffe, die sich primär in der Leber und in der Milz anreichern, wie beim Menschen übrigens auch. Beim Menschen bewegt sich das im Bereich von Nanogrammen, also noch nicht gefährlich. Wenn die Werte so hoch wären wie bei den untersuchten Fischen, hätten wir gröbere gesundheitliche Probleme.

 

Auch bei diesem Thema stellt sich die Frage, was ein kantonaler Fischereiverband gegen einen internationalen Skiverband oder die mächtige Wachsindustrie ausrichten will.

Der internationale Skiverband hat bereits entschieden, dass im Spitzensport Fluorwachse ab der kommenden Saison verboten sind. Wenn das für den Breitensport nicht auch kommt, oder die Organisatoren des Engadin Skimarathons nicht aktiv werden, dann haben wir in der Tat ein Problem.

 

Die Industrie sagt, dass sie bereits Ersatzstoffe hat.

Es tönt gut, und geworben wird mit einer umweltfreundlichen Alternative. Fakt ist, dass das so nicht stimmt. Ich weiss von zwei Firmen, dass sie Perfluoroctan einfach durch eine Perfluorhexan-Verbindung ersetzen. Und dieses ist genauso giftig wie das Perfluoroctan, wird aber noch nicht angewendet und ist darum noch nicht verboten. Ich gehe davon aus, dass das in fünf Jahren der Fall sein wird, und dann steht bereits ein drittes Produkt bereit, die sogenannten Silikane. Das sind auch Chemikalien, die von der Natur nicht auf natürliche Art abgebaut werden können. Wir werden noch lange mit solchen Problemstoffen kämpfen müssen.

 

 Gibt es keine Alternativen?

Die gibt es. Wachse, welche auf Naturbasis gemacht sind, sich abbauen und darum unbedenklich sind. Weil nur kleine Firmen mit eingeschränkten Produktionskapazitäten solche Wachse produzieren, sind sie noch teuer. Vor allem müssen diese Firmen beweisen, dass ihre Wachse gleich schnell sind wie die herkömmlichen Produkte.

 

Wir haben jetzt viel über die Probleme der Bündner Gewässer gesprochen. Was gibt es Positives zu sagen?

In Kürze wird die Fischfangstatistik des letzten Jahres veröffentlicht. Ich durfte bereits einen Blick in die Statistik werfen und sehe zum Beispiel, dass letztes Jahr im Engadin erfreulich gut gefangen worden ist. Sicher auch aufgrund des Corona-Effekts mit einer deutlich höheren Anzahl an Fischern. Es sind rund 15 Prozent mehr Saisonpatente verkauft worden, vor allem aber doppelt so viele Tages- und Wochenkarten im Vergleich zu 2019. Das hat zu rund 30 Prozent mehr Ereignissen am Wasser geführt.

 

Fischer sind im Gegensatz zu den Jägern nicht verpflichtet, Hegestunden zu leisten. Sie müssen auch keinem Verein angehören. Warum?

Aus unserer Sicht ist das falsch. Es gäbe mehr als genug Hegearbeit zu leisten für unsere Gewässer. Wer als Fischer heute einfach das Patent löst und keinem Verein beitritt, zahlt nichts für diese wichtige, aber auch sehr aufwendige Arbeit. In den Kantonen Bern oder Solothurn beispielsweise ist das anders. Dort leistet man Hegearbeit – oder man bezahlt.

Sie könnten ja als Kantonalverband aktiv werden.

Bisher hatte die Regierung wenig Musikgehör für solche Vorschläge. Ein obligatorischer Vereinsbeitrag würde eine Gesetzesänderung bedingen.

 

Wer heute einen Tag oder eine Woche fischen gehen will, kann das machen, ohne einen Nachweis über fischereiliche Kenntnisse erbringen zu müssen. Warum?

Anlässlich unserer Delegiertenversammlung vor drei Wochen ist auf Antrag des Fischereivereins Unterengadin entschieden worden, dass derjenige, der eine Tages- oder Wochenkarte löst, in Zukunft einen sogenannten Sachkundenachweis Fischerei (SaNa) vorlegen muss. Ich habe das bereits in die Fischereikommission gebracht. Letztendlich wird die Regierung entscheiden. Bis jetzt haben vor allem die Tourismusorte opponiert, mit dem Argument, dass, wenn ein Gast fischen gehen will, man nicht von ihm verlangen kann, dass er einen SaNa-Ausweis hat.

 

Was sagen Sie?

Die meisten Leute, die fischen, haben schon Erfahrung. Häufig fischen sie in anderen Kantonen oder Nachbarländern und sind demzufolge im Besitz eines Ausweises. Wenn nicht, können sie sich durch einen professionellen Guide oder einen Begleiter mit einem SaNa-Ausweis begleiten lassen, entsprechend ist auch der Antrag formuliert.

 

An der gleichen Delegiertenversammlung wurde ein Antrag auf eine massive Fangzahlbeschränkung nur knapp abgelehnt. Sind die Fischer sensibler auf solche Themen geworden?

Die Jungen sind viel affiner bezüglich der Umweltproblematik, und sie überlegen sich genau, was es bedeutet, einen Fisch dem Gewässer zu entnehmen. Dieses Umdenken freut mich sehr. Ein Teil der älteren Generation war noch an den Überfluss gewohnt und kann oder will sich nicht umstellen.

 

Mit der Besatzung von Gewässern wird heute sehr viel Aufwand betrieben. Wie erfolgreich ist die Fischbesatzung?

Nicht sehr erfolgreich. Wir stellen fest, dass Fische, die nach vier bis sechs Monaten in einem Rundbecken aus der Fischzuchtanstalt in den Bach kommen, gegenüber den naturverlaichten Fischen deutlich im Nachteil sind. Grundsätzlich halten wir an der 2016 verabschiedeten Strategie fest, nur so viel Besatzung wie nötig zu betreiben. Also nur noch dort, wo Naturverlaichung nicht funktioniert. Sei es wegen fehlenden Unterständen oder der Sunk-/Schwall-Problematik.

 

Ist es realistisch, eines Tages ganz ohne Besatzung auszukommen?

Wenn alles renaturiert wäre, keine Giftstoffe mehr in die Gewässer gelangen würden und die Sunk-/Schwall-Problematik gelöst wäre, dann ja. Früher hat es ja auch ohne Besatz funktioniert.

 

Früher waren die Gewässer auch nicht so sauber wie heute. Die Fische fanden mehr Nahrung vor.

Vor 100 Jahren, als die Abwasseranreicherung einsetzte und die Gewässer überdüngt waren, sind die Fischbestände explodiert. Das war vollkommen unnatürlich. Dorthin wollen wir auf keinen Fall zurück. Wir haben heute eher nährstoffarme Gewässer, die eine bestimmte Anzahl Fische ernähren können. Wenn nun diese Gewässer noch zusätzlich verschmutzt werden, durch Pestizide beispielsweise, leidet der Fischbestand.

 

Darum empfehlen die Fischer ein Ja zur Trinkwasser- und Pestizid-Initiative, über welche am 13. Juni abgestimmt wird?

Richtig. Zusammen mit vielen anderen Verbänden, die sich um die Umwelt kümmern. Ich trinke selber eher Bier, aber meine Kinder trinken sehr gerne Wasser aus dem Hahn, bis jetzt mit gutem Gewissen. Wenn ich mir die aktuellen Messresultate vor Augen führe, habe ich gewisse Bedenken und frage mich, ob sie das in Zukunft auch noch können.

Wir dürfen unsere Böden und unser Oberflächen- respektive Grundwasser nicht weiter vergiften. Die modernen Pestizide sind höchst toxische Nervengifte, welche unsere Kleinlebewesen in den Gewässern, zum Beispiel die Bachflohkrebse, von denen wiederum die Fische leben, töten. Ich habe den Eindruck, dass in Graubünden die Meinung vorherrscht, dass das vor allem ein Problem des Mittellandes ist. Leider ist dem nicht so. Pestizide sind sehr flüchtige Stoffe, welche durch den Wind über grosse Flächen verteilt werden. Ein Beispiel sind die Pestizidrückstände, welche von den Apfelplantagen aus dem Vinschgau bis in den obersten Teil der Val Müstair transportiert werden, wie eine Studie nachgewiesen hat.

 

Wird sich die Fischerei in den nächsten Jahren verändern?

Verändern wird sich das Verständnis der Fischer, mit weniger gefangenen Fischen auch glücklich zu sein. Weiter bin ich überzeugt, dass die grossen Renaturierungsprojekte Früchte tragen werden.

Wenn der untere Abschnitt zwischen den Gemeinden Bever und La Punt Chamues-ch revitalisiert ist, oder wenn wir uns die Aufweitung des Alpenrheins vor Augen führen, sind das sehr wichtige Projekte für eine attraktive Fischerei. Auch weil in den letzten Jahrzehnten bei der baulichen Umsetzung solcher Projekte sehr viel gelernt worden ist und auf die Bedürfnisse der Fische Rücksicht genommenen wird. Die Fische schätzen diese neuen Habitate. Auch da lohnt sich ein Blick in die Fangstatistik. Die Äschen werden heute nicht mehr bei der Ochsenbrücke zwischen Celerina und Samedan gefangen, sondern weiter talabwärts in einem renaturieren Abschnitt.

Am 1. Mai beginnt in weiten Teilen des Kantons die Fischerei. Was bedeutet Ihnen das Fischen?

Ich bin bereits als Vierjähriger mit meinem Vater, der im Luzernischen einen Bach gepachtet hatte, fischen gegangen. Ich habe oft Fischerferien gemacht, besitze seit elf Jahren ein eigenes Blockhaus an einem der letzten schönen Lachsflüsse in British Columbia und war die letzten Jahre – bis Corona kam – jeweils im Sommer dort zum Lachse fischen. Kurz: Die Fischerei ist mir sehr wichtig. Es geht mir nicht um das, was ich am Abend nach Hause bringe, sondern um das Erlebnis in der Natur.

 

Dient die Fischerei einem höheren Zweck als einfach nur Fische zu fangen?

Für mich ist Fischen ist eine Philosophie, eine Lebenseinstellung. In der Natur, am Gewässer kann ich mich am besten erholen. Dazu kommt auch ein gesellschaftlicher Aspekt. Wenn ich nach dem Fischen mit Kollegen zusammensitze, ein Feuer mache, eine Wurst grille und ein Bier trinke, ist das Lebensqualität.

 

Autor: Reto Stifel

Foto: Daniel Zaugg

 

 

CORONA-SANA -  BEFRISTETER PROVISORISCHER AUSWEIS

Aufgrund der geltenden Covid-Verordnung des Bundes sind bis auf Weiteres keine Kurse und Erfolgskontrollen mit Präsenzunterricht erlaubt und es werden keine regulären SaNa-Ausweise mehr ausgestellt.

Aktuell werden nur noch Online-Fernkurse angeboten. Ein regulärer Online-Fernkurs besteht aus 3 Modulen: einem online durchgeführten Theorieteil ohne physische Präsenz, einem obligatorischen zweistündigen Praxisteil mit Präsenzunterricht, anschliessende Erfolgskontrolle vor Ort.

Die Durchführung des obligatorische Praxisteils und der Erfolgskontrolle ist in Corona-Zeiten nicht erlaubt. Der Lenkungsausschuss des Netzwerks hat daher folgende Regelung erlassen: Der erste Kursteil, der Online-Fernkurs, berechtigt zum Bezug eines befristeten provisorischen "Corona-SaNa"-Ausweis mit der Gültigkeit bis Ende 2021. Informieren Sie sich bitte beim zuständigen Kursleiter bezüglich des obligatorischen Praxisteils und der Erfolgskontrolle.

 

Ausweiskosten: Der provisorische Corona-SaNa verursacht Mehrkosten von 5 Franken pro Teilnehmer. Dieser Betrag wird vom Kursleiter einkassiert.

Weitere Infos und Anmeldung hier: https://www.anglerausbildung.ch/sana-kurse/?L=0

Keine Präsenz-GV
Liebe Vereinsmitglieder Das Jahr 2020 wird als verrücktes in die Vereinsgeschichte eingehen. Die meisten Anlässe mussten abgesagt oder konnten nun in stark reduzierter Form durchgeführt werden. Leider müssen wir nun auch die Generalversammlung vom 23. Oktober absagen. Aufgrund der wieder stark steigenden Fallzahlen hat sich der Vorstand an seiner Sitzung vom 6. Oktober entschieden, kein Risiko einzugehen und die GV nicht vor Ort durchzuführen. Wir bedauern das sehr, wäre die GV doch die Gelegenheit gewesen, sich persönlich zu treffen und die Erlebnisse an den Gewässern Revue passieren zu lassen. Trotzdem sind wir überzeugt, dass ihr persönliche viele schöne Stunden an unseren Seen und Flüssen verbracht habt.
Wir werden euch zeitnah diverse Unterlagen zukommen lassen. Bleibt gesund!
Besten Dank fürs Verständnis.
Dieser Bericht ist kürzlich in der EP/PL erschienen. Ich finde das neue Datentool des AJF wirklich sehr gut. Da lässt sich fast alles herausfinden. Unbedingt probieren!
Mehr Fischer in diesem Jahr, aber die Fänge gehen zurück

 

Es gibt eine gute Nachricht: Der Verkauf an Fischereipatenten hat in diesem Frühjahr zugenommen. Die schlechte Meldung: Vor allem in den Bündner Fliessgewässern werden massiv weniger Fische gefangen als noch vor ein paar Jahren.

Fischen findet in der freien Natur statt. «Dichtestress» ist im Normalfall nicht zu befürchten. Und der direkte Kontakt mit Mitfischerinnen und Mitfischern ist überschaubar. Alles Voraussetzungen also, die das Fischen zum idealen Hobby machen, während auf der Welt das Coronavirus seine Spuren hinterlässt. Ganz offensichtlich sehen das auch die Petrijünger so. Bis 5. Mai dieses Jahres wurden im Kanton gemäss einem Bericht im «Bündner Fischer» 4053 Saisonpatente verkauft, 168 mehr als im Vorjahr. Das Ergebnis ist umso erstaunlicher, als alle Jung- und Neufischer in diesem Jahr kein Patent erwerben konnten. Dafür müssen sie zuerst eine Ausbildung durchlaufen, welche mit dem sogenannten «SaNa-Ausweis» honoriert wird, welcher wiederum zum Patentbezug berechtigt. Wegen Corona mussten aber in diesem Frühjahr sämtliche SaNa-Kurse gestrichen – und die Jung- und Neufischer auf nächstes Jahr vertröstet werden. Wer an den Gewässern unterwegs war, wird auch festgestellt haben, dass in dieser Saison mehr Fischer anzutreffen sind als auch schon. Beispielsweise auf dem St. Moritzersee oder am Innbogen bei Celerina.

2019 war ein schlechtes (Fang)Jahr
Ob diese auch Fische fangen, steht auf einem anderen Blatt Papier geschrieben. Rückblickend auf das Jahr 2019, lautet die Antwort ganz klar: Nein. Der Blick auf das interaktive Web-Tool des Amtes für Jagd und Fischerei (AJF) zeigt, dass das letzte Jahr insbesondere an den Fliessgewässern miserabel war. Noch nie seit 2002 gingen so wenige Fischer an die Gewässer. Im Jahr 2003, dem absoluten Rekordjahr, wurden insgesamt 94 013 sogenannte «Ereignisse»(ein Gang ans Gewässer) registriert. Dabei wurden 124 448 Fänge verzeichnet. Im letzten Jahr waren es bei 51 951 Ereignissen noch 48 714 Fänge – zum ersten Mal überhaupt ist der CPUE-Wert (Fang pro Ereignis) unter eins gesunken. Der Durchschnittswert der letzten zehn Jahre lag bei 69 580 Ereignissen und 77 028 gefangenen Fischen. Die Gründe, die hinter den tiefen Fangzahlen liegen, werden teils kontrovers diskutiert, aber auch untersucht. So läuft beispielsweise zurzeit ein auf drei Jahre angelegtes kantonales Projekt, welches der Bestandssituation bei den Äschen nachgeht.

Seenfischerei ist stabiler
Etwas besser sieht es bei der Seenfischerei aus. Dort lagen die fischereili-chen Aktivitäten 2019 nur leicht unter dem langjährigen Schnitt, allerdings wurden auch in den Seen deutlich weniger Fische gefangen, nämlich rund ein Fünftel gegenüber dem Zehnjahresdurchschnitt. Massgeblich sind diese Zahlen vom massiven Rückgang gefangener Seesaiblinge in den Oberengadiner Talseen beeinflusst. Im Ausnahmejahr 2004 wurden im ganzen Kanton knapp 70  000 Fische dieser Art gefangen – weitaus der grösste Teil im Oberengadin. 2019 waren es noch 16 487 Fische, das langjährige Mittel liegt bei 26 403 Saiblingen.

Modernes Datentool
Die neue «Fischereistatistik Graubünden» wurde am 1. Juni auf der Website des AJF aufgeschaltet. Das Tool erlaubt eine detaillierte und massgeschnei-derte Datenabfrage und -darstellung der Fangstatistik-, Fischbesatz- und Patentverkaufszahlen in Graubünden. Auch können die Daten für die einzelnen Regionen analysiert werden. So zeigt sich beispielsweise, dass das tiefe kantonale Fangstatistikniveau wesentlich auf die sehr schlechte Entwicklung im Unterengadin zurückzuführen ist. Im zehnjährigen Schnitt steuert diese Region fast ein Viertel an kantonalen Fängen in den Fliessgewässern bei. Letztes Jahr belief sich dieser Anteil nur noch auf ein Achtel. Mit 1,1 liegt der CPUE aber immer noch über dem kantonalen Schnitt, im zehnjährigen Mittel sogar bei 1,3. Im Oberengadin liegen die Werte mit 0,8 respektive 1 tiefer.
Über den Direkt-Link www.fischereistatistik.gr.ch gelangt man auf das neue Datentool.

Autor: Reto Stifel

Foto: Daniel Zaugg

Familien-Grillplausch

Liebe Vereinsmitglieder, leider musst der Anlass mangels Anmeldungen abgesagt werden. Schade!

 

Unser Boot wurde gezügelt!

Seit der letzten Saison stellt der Fischereiverein Oberengadin seinen Mitgliedern ein Ruderboot gegen einen freiwilligen Beitrag zur Benützung zur Verfügung. Ab dem 1. Mai ist dieses in St. Moritz Bad, Seite Zirkuswiese, auf dem Bootsplatz Nr. 17 stationiert. Infos und Reservationen bei Silvano Plebani, 079 777 03 56 oder fvoengadin@hotmail.com.

 

 

Das Amt für Jagd und Fischerei informiert

 

Auf Grund des Massnahmenplanes des Bundes und des Kantons Graubünden rund um die Eindämmung des Coronavirus muss auch das AJF einige Anpassungen von Abläufen vornehmen. Folgende Massnahmen gelten ab sofort:

 

 

Verkauf Fischereipatente

 

Der Kauf von Fischereipatenten wird ausschliesslich online oder schriftlich möglich sein. Bitte benutzen Sie dazu den Fischereipatente-Onlineshop auf unserer Webseite www.ajf.gr.ch (Fischerei/ Fischereipatente Online) oder bestellen Sie das Patent rechtzeitig auf dem Postweg gegen Rechnung beim AJF Chur. Übrige Ausgabeorte (u.a. bei der Fischereiaufsicht) bleiben geschlossen. Die im Bündner Fischer (Ausgabe April 2020) publizierten Ausgabeorte/Termine sind demnach ungültig.

 

Um die Ansteckungsgefahr weiter zu minimieren, raten wir Ihnen die Statistik per Fischerei App zu führen und nicht mit der Papierstatistik.

 

 

SaNa Kurse

 

Sämtliche SaNa-Kurse sind abgesagt. Der Kauf von Saison- und Monatspatenten ist ohne einen SaNa-Ausweis weiterhin nicht möglich. Die übrigen Fischereipatente können auch ohne SaNa-Ausweis erworben werden.

 

 

Generelle Informationen

 

Das Amt für Jagd und Fischerei wird seinen Betrieb auf weiteres auf ein Minimum reduzieren. Wir werden weiterhin in erster Linie per Mail, aber auch telefonisch erreichbar sein. Laufkundschaft dürfen wir keine empfangen. Relevante Informationen werden über das Infomail-System des BKPJV und über die Webseite des AJF bzw. des BKPJV mitgeteilt.

 

Keine DV, keine Bindemeisterschaft

Aufgrund der raschen Verbreitung des Coronavirus und den damit verbundenen behördlichen Auflagen, ist die Delegiertenversammlung des Kantonalen Fischereiverbandes vom 4. April abgesagt worden.

 

Weiter hat sich der Vorstand entschieden, die zweite Meisterschaft im Fliegenbinden vom 25. April in La Punt Chamues-ch ebenfalls abzusagen. Ob diese später im Jahr oder erst 2021 durchgeführt wird, entscheidet der Vorstand später. Danke fürs Verständnis. 

 

 

Protokoll der GV vom 25. Oktober 2019

Datum: Freitag 25.Oktober 2019 

Zeit: 19:00 Uhr 

Ort: Restaurant Strietta La Punt Chamues-ch 

Anwesend: 21 Mitglieder/HFA Linard Jäger 

Entschuldigt: C&A Holzer / F.Strub / H.Schwab / A.Widmer / D.Blättler / T.Lenatti / CHr.Biel / G.Tomaselli / H.Frei / A.Stifel / C.Clavuot 

Traktanden: 1. Wahl der Stimmenzähler 2. Genehmigung des Protokolls der letzten GV 3. Jahresbericht des Präsidenten 4. Kassabericht 5. Revisorenbericht 6. Jahresbericht über die Aufzucht in den Sömmerlingsteichen. 7. Ehrungen 8. Budget und Festsetzung des Jahresbeitrages 9. Beschlussfassung über fristgerecht eingereichte Anträge 10. Jahresprogramm 11. Varia und Umfrage 

 

 

1. Wahl der Stimmenzähler 

Der Präsident Silvano Plebani begrüsst alle Anwesenden. Die GV verläuft gemäss Traktandenliste Wolfgang Hähggi wird als Stimmenzähler gewählt. 

2. Genehmigung des Protokolls der letzten GV 

Das Protokoll wird elektronisch versendet, und wird auch auf unserer Homepage zu finden sein. Das Protokoll wird genehmigt.

3. Jahresbericht des Präsidenten 

Präsident Silvano erläutert die Höhepunkte des Vereinsjahrs. Aussergewöhnlich war bestimmt das langanhaltende Hochwasser, bei dem sich die Renaturierungen bewährt haben. Unser Verein hat einen Förderpreis im Wert von sfr.2000.- gewonnen, dies für unser Anlass Generationenfischen. Verschiedene Fronarbeiten, Grilladen und organisierte Anlässe prägten das Vereinsjahr. Silvano bedankt sich bei allen Helfern Mitgliedern und Sponsoren. Die Versammlung verdankt den Jahresbericht mit einem Applaus. 

4. Kassabericht 

Unser Kassier Alessandro Crameri begrüsst die Versammlung. Er erklärt die Einnahmen und Ausgaben des Vereinsjahres. Verschiedene Ausgaben werden auf Verlangen genauer erklärt. So z.B. die Ausgabe Fischerbötli Silvaplanersee/ Heli Bernina und Jungfischerkurs. Silvano erklärt es sei schwierig das Vereinsjahr abzuschliessen da viele Einnahmen zu dieser Zeit noch fehlen. Dieses Problem soll nächstes Jahr mit einem Antrag zur Änderung der Statuten gelöst werden. Das Vereinsvermögen beträgt per 30.09.2019 sFr. 27191.78 

5. Revisorenbericht 

Unser Revisor Michael Merker entschuldigt H.CH.Gut. Er verliest den Revisorenbericht. Die Revisoren beantragen den Kassabericht zu genehmigen und dem Vorstand Decharge zu erteilen. Der Kassa und Revisorenbericht wird durch die GV gutgeheissen. I 

6. Jahresbericht über die Aufzucht in den Sömmerlingsteichen. 

Heinz Grob fasst die Arbeiten und Anlässe an den Teichen zusammen. Der Hegetag am 27.04 konnte wegen Schnee nicht durchgeführt werden. Der Fischerhock am 1.Mai wurde von 12 Mitgliedern besucht. Highlight war die super Gulaschsuppe. Teichbesatz 25.05 20000 Sömmerlinge. 29.06 Plauschfischen, leider nur schwach besucht. 25.08 Abfischen Palüds Süd. 14.09 Entnahme Sömmerlinge. Leider mit einem sehr schlechten Ergebnis. Lediglich 500-600 Sömmerlinge können entnommen werden. Heinz bedankt sich bei seinen Leuten und allen die mitgeholfen haben. Es entsteht eine Diskussion über die bescheidene Zahl der abgefischten Sömmerlinge. Möglicherweise hängt es mit dem Bau des Migrogebäudes zusammen. HFA Linard Jäger erklärt es sei unmöglich dies im Nachhinein nachzuweisen. Man geht von einer einmaligen Sache aus. 

7. Ehrungen 

Es gibt verschiedene Ehrungen. Leider ist keiner der geehrten anwesend. Georg Budja wird kantonaler Veteran. Vereinsveteranen werden Housi Schwab und Reto Schmidhauser. I AC 

8. Budget und Festsetzung des Jahresbeitrages 

Das Budget 2020 wird vom Kassier vorgetragen. Er rechnet mit Einnahmen von Fr. 6805.- und Ausgaben von Fr. 6481.- Die Mitgliederbeiträge bleiben unverändert. Das Budget wird von der Versammlung genehmigt. 

9. Beschlussfassung über fristgerecht eingereichte Anträge 

Es werden keine Anträge gestellt. Der letztjährige Antrag von Jachen Stecher die Aufzuchtsbäche Palüds Süd für die Fischerei zu schliessen wird nun weiterverfolgt. HFA Linard Jäger erklärt, es soll bereits nächsten Sommer ein Fischereiverbot auf der linken Seite Palüds Süd geben. 

10. Jahresprogramm

Die Vereinsanlässe bewegen sich im Rahmen der Vorjahre. 2020 soll erneut eine Fliegenbindemeisterschaft stattfinden. Das Programm wird durch den Vorstand erarbeitet. 

11. Varia und Umfrage 

-Silvano informiert über verschiedene Punkte die in den Statuten geändert werden sollten. 

-Revisor H.CH. Gut tritt auf Ende Vereinsjahr 2020 zurück. Ein neuer Revisor muss gefunden werden. 

-Alfred Widmer hat uns ein Anliegen zugesendet. Es geht um die Überwucherung der Blätterstauden an Teilen des Inn entlang. Diese sollten besser geforstet werden. 

-Die Firma Vitali hat alle Kosten für Kopien übernommen. Danke dafür. 

- Der Vorstand sucht für nächstes Jahr einen zusätzlichen Beisitzer, dessen Aufgabe in erster Linie die Aktualisierung unserer Homepage und Facebook Seite beinhaltet. 

-Silvano bedankt sich beim Gastgeber der diesjährigen GV. Flavio Neuhäusler . Diesen dürfen wir sogleich als Neumitglied in unserem Verein willkommen heissen. 

-Reto Stifel motiviert die Anwesenden Werbung für unsere Anlässe zu machen. Besonders für das Generationenfischen für das wir den Förderpreis erhalten haben. Er bedankt sich beim ganzen Verein und vor allem bei Präsident Silvano der einen super Job macht. 

-Gabi Grob entfacht eine Diskussion, wie mehr Mitglieder motiviert werden könnten bei unseren Anlässen mitzumachen. Viele Ideen kommen zusammen. Es wird auch immer klarer dass der Anlass Plauschfischen umgemodelt werden muss. 

-Claudio Morell bemängelt die Fischereibeiträge der Zeitschrift Bündner Jäger/Fischer. Zudem hat er einige Fragen zur Renaturierung. Diese werden Von HFA Linard Jäger beantwortet. 

- Linard sucht noch Helfer für den Laichfischfang am 09.12 

-Der Präsident schliesst die Versammlung. 

Sitzungsdauer: 75 min. 

Protokoll: Marco Lenatti

 

Das Protokoll muss an der GV 2020 von den Mitgliedern noch genehmigt werden.

 

 

 

Mehr über das Wanderverhalten der Äschen erfahren

 

Die Fischer im Kanton Graubünden fangen immer weniger Äschen. Warum? Mögliche Gründe werden zurzeit untersucht. 

 

Ein kühler, bewölkter Herbsttag am Inn unterhalb von Samedan. Auf einem Schlauchboot läuft ein Generator, das Boot wird flussaufwärts mitgezogen. Mitarbeiter eines Ökobüros, Wildhüter und Fischereiaufseher fischen den Fluss mit einem Elektrofanggerät ab. Die Fische zappeln und zucken in der Strömung heran, aus der sie mit einem Feumer aufgefangen und in einen, mit Wasser gefüllten Bottich geleert werden. «Forelle 20», «Äsche 29». Jeder gefangene Fisch wird handschriftlich in einem Protokoll erfasst.

Ein paar Meter weiter unten stehen Marcel Michel, Fischereibiologe vom Amt für Jagd und Fischerei, sowie Peter Rey vom Büro Hydra. Während die gefangenen Forellen bereits wieder im Inn schwimmen, werden die Äschen betäubt und noch einmal gewogen, gemessen und an der Unterseite mit einem blauen Punkt markiert. Die grösseren Exemplare erhalten zusätzlich einen kleinen Schnitt, über den ein PIT-Tag, ein elektronischer Passiv-Sender in die Bauchhöhle eingeführt wird. Kurze Zeit später schwimmen die Äschen wieder im Bottich und werden dann zurück in die Freiheit entlassen. Die kleine Schnittwunde ist innerhalb von zwei Tagen verheilt. 

 

Weniger Äschen gefangen

Was hier am Inn passiert, dient als Grundlage für das Fischerei-Management des Kantons. Im vergangenen Jahrzehnt sind in den Oberengadiner Flüssen deutlich weniger Äschen gefangen worden. Waren es 2008 noch 5300 Stück, wurde im letzten Jahr noch knapp 3000 gezählt. Über die Gründe kann zurzeit nur gemutmasst werden, darum das Projekt zur Untersuchung der Bestandssituation. 

Peter Rey kennt die Oberengadiner Gewässer seit den Revitalisierungsprojekten sehr gut. 2005, nach der Flazverlegung, seien die Äschenbestände in den neu gewonnenen Gewässerab‧schnitten geradezu explodiert. Ab dem Jahr 2011 seien sie dann abschnittsweise stark zurückgegangen. Vermutungen gibt es einige. «Wir wollen es aber genau wissen. Im Idealfall finden wir die Ursache, welche wir dann auch beheben können», sagt Rey. Was beim Abfischen aufgefallen ist: In Gewässerabschnitten, welche früher vor allem von der Äsche bevölkert waren, gibt es heute deutlich mehr Bachforellen. 

 

Sich die Technik zunutze machen

Ein wichtiges Indiz, um den Ursachen für den möglichen Bestandsrückgang auf die Spur zu kommen, ist das Wanderverhalten der Äsche. Steigt sie unterhalb von S-chanf den Inn hoch in Richtung Oberengadin? Kommt sie zurück in den Innbogen bei Celerina, früher ein eigentlicher Hotspot für die Äsche? Antworten auf diese und andere Fragen soll der eingepflanzte Passiv-Sender liefern. Im Inn und im Flaz sind an verschiedenen Stellen im Fluss Indika‧tionsschlaufen verlegt. Sobald die Äsche diese passiert, wird sie elektronisch registriert. Stand erste Okto‧ber‧woche waren bereits rund 500 Äschen «getaggt». 

 

Keine schnellen Resultate

Mit schnellen Resultaten ist nicht zu rechnen, die will man bei dem auf drei Jahre angelegten Projekt auch nicht. Gemäss Marcel Michel gibt es einen Katalog von möglichen Ursachen. Angefangen von einer anderen Verteilung der Fische in den Gewässern, über die Klimaerwärmung, die Nutzung der Wasserkraft bis hin zu einer Änderung der Nahrungsgrundlage. «Wir wollen das nun fundiert untersuchen, um dann allfällige Massnahmen umsetzen zu können», sagt er. 

 

Der Text ist erstmals erschienen im Bündner Fischer vom November 2019 und in der Engadiner Post/Posta Ladina

Autor: Reto Stifel